REVIEW | Bachtrack

Review by Thomas Schacher from Bachtrack

“…Bei Hector Berlioz‘ Symphonie fantastique sind dann andere Qualitäten gefragt: Nach dem antiromantischen Poulenc nun das hochromantische Seelendrama. Rustioni bewältigt diese Herausforderung mit Bravour und fordert eine theatralische, spannungsgeladene und klangfarbenorientierte Interpretation ein.

Ein klarer Fall für das Orchester der Oper Zürich, dem solche Musik auf den Leib geschrieben steht. Einmal dem Orchestergraben entronnen, geniessen die Musikerinnen und Musiker das Rampenlicht der Tonhalle und steigern sich zur Höchstleistung. In der Symphonie fantastique begleiten sie nicht Sängerinnen und Sänger, sondern sie selbst sind die Protagonisten: der unglücklich verliebte Künstler, der die untreue Geliebte ermordet und deshalb zum Richtplatz geführt wird; oder die Geliebte, die dem Künstler beim Hexensabbat als Fratze erscheint.

Viele Belege könnte man für diese faszinierende Interpretation anfügen. Stellvertretend sei der dritte Satz, die Scène aux champs, erwähnt. Beim eröffnenden Duo von Englischhorn und Oboe antwortet Letztere aus dem Off, was eine raffinierte räumliche Wirkung erzielt.

Die danach einsetzende Streichermusik breitet zunächst eine friedliche Stimmung aus, wird aber zunehmend erregter, um dann, nach dem Erklingen der Idée fixe, ausser Rand und Band zu geraten. Das ist Seelendrama pur! Rustioni, der sowohl als Konzert- wie als Operndirigent tätig ist, und dessen Stern in den letzten Jahren international aufgegangen ist, hat ein untrügliches Gespür für alle diese dramatischen Wendungen. Als Hörer fiebert und leidet man mit und hat erst Ruhe, nachdem der letzte Akkord der Nuit du Sabbat verklungen ist.”

Previous
Previous

REVIEW | Opernmagazin

Next
Next

REVIEW | Bachtrack